Sternwarte

Das wichtigste Instrument für den Hobbyastronomen:

Eine kleine Geschichte (m)einer Sternwarte

Die Erstellung meiner Sternwarte zog sich von der ersten Idee bis zur vorläufigen Realisierung nur etwa ein knappes Jahr hin. Da sieht man, was genügend Leidensdruck alles vermag.

Der Urknall

Für mich stand letztes Jahr fest, dass meine nächste größere Anschaffung im Bereich Astronomie ein fester Beobachtungsplatz sein würde. Gerade durch die immer größeren und aufwändigeren Instrumente, die sich mit der Zeit angesammelt hatten, ergab sich eine merkwürdige Konsequenz: ich habe immer weniger beobachtet, da sich die Zeiten für den Auf- und Abbau der Geräte so langsam den 90 Minuten genähert haben. Und das steht in keinem Verhältnis zur Gesamtzeit von höchstens drei Stunden, die ich unter der Woche für Beobachtungen abknapsen kann (Familie und Beruf forden hier ihr Recht). Wenn dann auch noch das typische norddeutsche Wetter dazu kommt, das zur Ausnutzung von Wolkenlücke quasi zwingt, so bleibt nicht mehr viel übrig.

Da zusätzlich die Nachbarn inzwischen mit der Beleuchtung ihrer Gärten (teilweise durch die gesamte Nacht) ein angenehmes Beobachten deutlich erschwert haben, musste also eine Hütte her.

Die inflationäre Phase

In dieser Phase kamen langsam die Ideen. Sollte es eine fest montierte Säule werden, auf der man eventuell das Teleskop samt Montierung abgedeckt stehen lässt? Besser wäre natürlich eine kleine Hütte, aber der Platz im Garten ist doch recht beschränkt. Eine Kuppel wäre natürlich toll, aber preislich jenseits von Gut und Böse. Und was tut der geneigte Hobbyastronom, während sich die automatisch nachgeführte CCD einen Wolf belichtet? Eine Möglichkeit zum parallelen Beobachten wäre dann schon schön.

Schließlich war die Entscheidung gefallen: So lasst uns denn ein Apfelbäumchen fällen, d.h. ein Apfelbaum und ein altes Erdbeerbeet sollten einer Rolldachhütte weichen. Platz ist zwar in der kleinsten Hütte, hier sollte jedoch genug Platz für zwei Säulen sein. Und mangels Erfahrung wusste ich auch nicht, wie ich die Säulen am besten positionieren sollte. Also wurde die Hütte entsprechend groß dimensioniert. Für die Säulen wurde eine flächiges Fundament vom 1*2m² geplant, auf das dann später beliebig Säulen verdübelt werden können. Im Boden der Hütte ist ein entsprechender Ausschnitt, aus dem man einzelne Platten entnehmen kann, um für die Säulen Löcher zu schneiden. So bleibe ich mit der Anordnung variabel und kann erst einmal mit Stativen Erfahrung zur Position und Höhe sammeln, ehe ich das ganze in Beton oder Erz gieße.

Schöpfungsgeschichte

Als dann die Findungsphase abgeschlossen war, stellte sich die nächste Frage: selber Bauen oder machen lassen? Nach kurzem Blick auf meinen Terminkalender war klar: selber machen würde bis zum Ruhestand nichts mehr werden. Also habe ich Kontakt mit Dirk Mohlitz (dem einen oder anderen sicher aus den Foren von Astronomie.de bekannt) aufgenommen und ihm meine Pläne vorgestellt. Nach einiger Diskussion über Sinn und Zweck meiner Vorschläge und Berücksichtigung der Vorschläge von Dirk kam es dann zu folgenden Plänen:

Die Hütte steht auf sechs Punktfundamenten (40*40*100 cm³) und hat unter dem Boden noch eine etwa 200*100*50cm³ große Platte für die Säulen. Die Platte ist noch mit acht 10 cm durchmessenden betongefühlten Löchern (etwa 120 cm tief) gegen Davonfliegen gesichert :-).

Die Haupsichtrichtung geht nach Süd-Süd-Ost, das Dach wird Richtung Westen abgeschoben. Der Blick nach Osten geht über unser Haus, ist also nicht optimal, aber über 35° noch akzeptabel. Dafür schützt das abgeschobene Dach Richtung Westen gegen den hier üblichen Nord-West-Wind und gegen die zwei 500 Watt Flutlichter des Nachbarn in dieser Richtung (Eine Anekdote am Rande: es ist ein unvergessliches Erlebnis, mit dunkeladaptierten Augen plötzlich aus 30m Entfernung in die beiden oben genannten Scheinwerfer zu schauen. Nach 15 Minuten gehen die Kopfschmerzen weg und nach 30 Minuten hören auch die schönen bunten Farbräder auf, sich zu drehen).

Die Realität

Im Juni 2004 war es dann soweit: Dirk rückte mit zwei Kollegen in zwei Kleinlastern mit einem Hänger hier an. Die Fundamente hatten meine Frau und ich ein paar Wochen vorher gegossen und die Maße noch einmal mit Dirk abgestimmt. Und so nahm das Schicksal seinen Lauf:

Wüst und leer

Zu Anfang war alles wüst und leer. Hier sind die sechs Punktfundamente und die Platte für die Säulen gut zu sehen.

Und hier musste sich Dirk voll reinknien, um die Basis zu legen.

Ein kritische Blick auf die ersten Wände, rechts ist Norbert Theisges zu sehen.

Das Erdgeschoss sieht schon ganz gut aus.

Und nach einem echten Kraftakt ist auch das Dachgeschoss drauf.

Nun könnten noch Bilder eines zweistündigen Unwetters mit anschliessendem Fertigbauen folgen, ich habe mich aber nicht getraut, weiter zu fotografieren. Schliesslich sollte das eine Sternwarte und nicht mein Grabmal werden. Daher folgen jetzt ein paar Bilder, die ich eine knappe Woche nach dem Aufbau geschossen habe.

So sieht das ganze geschlossen aus, Sicht aus Süd-West. Die Schindelung und die Regenrinnen in Metall sind ein kostenloses Extra.

Und so offen, die Hütte links ist übrigens das Spielhaus meiner Töchter.

Und zum Überblick noch ein Bild von oben.

Hier ist der Bodenauschnitt als Zugang zur Betonplatte für die Säulen zu erkennen. Normalerweise liegen da natürlich Platten drin.

Steady-State oder Expansion?

Na ja, eigentlich keine Frage. Wann ist man denn in diesem Hobby wirklich endgültig fertig?

Die erste Erweiterung ergab sich noch am Aufbautag, als wir mit Dirk über Nord-West-Stürme sprachen. Er hat uns dann noch einen zusätzlichen Befestigungriegel zugeschickt, der jetzt auch Richtung Westen für sicheren Halt sorgt, als Dienst am Kunden kostenfrei.

Aktuell sammle ich Erfahrung mit den Teleskopen und Montierungen, der Austellung eines Arbeitstisches für Notebook und CCD-Krams und der gesamten Ablage von Okularen, Adaptern, Filtern und was da noch so kreucht und fleucht. Die Montierungen stehen vorerst auf ihren Stativen, bis ich mir über die optimale Postion und Höhe klar geworden bin. Irgendwann zum Jahresende werde ich wohl Säulen montieren und dann mit dem Gröbsten durch sein.

Fazit

Ich bedaure nur, nicht viel früher den Schritt Richtung fester Sternwarte getan zu haben. Es ist wirklich herrlich, kurz rauszugehen, mit einem Finger das Dach abzuschieben (O.K., mit zwei Fingern oder der ganzen Hand ist es bequemer, aber es funktioniert tatsächlich einfingrig), den Strom und die Montierungen einzuschalten und loszulegen. Inzwischen habe ich auch begonnen, den Sommer (oder was man dieses Jahr so nennt) zu nutzen, um die Sonne zu beobachten, zur Zeit im Weißlicht, demnächst auch in H-Alpha.

Die Ausführung der Hütte durch TZM war tadellos, der Aufbau professionel und hochwertig. Alles ist sauber verarbeitet und funktional. Dem konstruktiven Holzschutz wurde sorgfältig Rechnung getragen, optisch sieht alles vom feinsten aus. Dirk war sehr hilfreich in der Planung und hat durchaus kritisch eigene Ideen eingebracht, bei denen seine Erfahrungen in Astronomie und Holzverarbeitung zusammen kamen. Die Hütte war nicht billig, aber auf alle Fälle preiswert. Ich kann jedem empfehlen, sich bei einem entsprechenden Vorhaben mit TZM zu beraten.

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